Der Projekttag am 23. Juni war dem Namensgeber unserer Schule gewidmet.
Die Mittelstufe erkundete das Leben und die Bedeutung Ossietzkys. Die Schülerinnen und Schüler begegneten einem der bedeutendsten Journalisten des 20. Jahrhunderts im deutschsprachigen Raum, einem Kämpfer gegen den Krieg und für radikale Demokratie, einem entschiedenen Verfechter der Pressefreiheit, für die er auch ins Gefängnis ging. Ossietzky war ein konsequenter Gegner der Faschisten, die ihn nach 1933 in ihren Lagern quälten. An den Folgen starb er. Der Friedensnobelpreis für ihn war eine öffentliche Blamage für das Hitler-Regime. Die Klassen setzten sich auch mit der Frage auseinander, ob Ossietzkys Haltung uns heute noch etwas zu sagen hat.
Die Oberstufe nahm an einer Podiumsdiskussion teil, die sich mit der Aktualität der politischen Positionen Ossietzkys befasste: Wie steht es um die Pressefreiheit in Deutschland? Wie glaubwürdig und unabhängig sind die Medien? Gibt es in Deutschland eine staatliche Doppelmoral? Wie hoch ist die Kriegsgefahr? Wird Deutschland bedroht, ist Deutschland bedrohlich? Braucht dieses Land die Wehrpflicht, muss es kriegstüchtig und aufgerüstet werden? Wie ist die Schüler-Bewegung gegen die Wehrpflicht einzuschätzen?
Es diskutierten Martin Bieber (Konrad Adenauer – Stiftung), Mariam Chihadeh (Schülerin der Oberstufe), Michaela Ghazi (AG Frieden der GEW Berlin), Stefan Kuzmany (Journalist beim „Spiegel“), Matthew Read (Eltern gegen Wehrpflicht). Die Debatte war kontrovers, vielseitig, lebhaft. Die vielen Fragen und eigenen Positionierungen der Schüler:innen zeugten davon, dass die Diskussion nicht über die Köpfe des Publikums hinweg geführt worden war. Zum Ausklang gab es kalte Getränke und es bestand die von einem Teil des Publikums dann auch genutzte Möglichkeit, die Diskussion mit den Podiumsgästen fortzusetzen.
Der Projekttag versuchte, ein Erbe lebendig zu erhalten, das Ossietzkys Tochter, Rosalinde von Ossietzky-Palm, 1979 in einem Beitrag zur Namensgebung unserer Schule so umrissen hat:
Ihr Vater „hasste Kathederautoritäten, die in kasernengleichen Schulanstalten die Jugend zur Servilität [Unterwürfigkeit] erzogen. Der beste Boden für den Faschismus. Carl von Ossietzky wurde von Freunden und Mitarbeitern ‚Ossie‘ genannt. Diese ‚Ossie-Schule‘ ist und will etwas ganz anderes, sie ist offen für alle. Eine Schule im Sinne des deutschen Friedenskämpfers, dessen Name sie trägt.“
